Diverses Material zum Film

Alles was zu dem Film gehört, bitte hier rein schreiben...

Diverses Material zum Film

Beitragvon Christian » Donnerstag, 17. November 2016, 17:43:11

Ich möchte in diesem Thema verschiedenes Material posten (Videos, Bilder, Interviews)

Hier nochmal ein Interview mit Vaclav Vorlicek in einer tschechischen Talkshow am Ende des Interviews erzählt er auch Anekdoten zu 3HfA.

Wegen Problemen mit YT musste ich das Video entfernen
Weil Youtube die Kostproben sperrt, gibt's die Clips zu den Filmen direkt bei mir. Einfach PN oder Mail an mich :)
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Re: Diverses Material zum Film

Beitragvon Erlenkoenig » Freitag, 23. Dezember 2016, 20:13:25

In einem Interview mit der dpa hat Aschenbrödel-Darstellerin Libuse Safránková nun über das Erfolgsrezept des Films gesprochen.

"Der Schnee, er hat dem Märchen seine Reinheit gegeben", sagt die 63-jährige Schauspielerin. In jedem alten Märchen steckten die Anleitung zum mystischen Weg und der Schlüssel zur geistlichen Entwicklung: "Die Kinderseele kann es wahrscheinlich auf eine bestimmte Weise herausfühlen und bis ins Erwachsenenalter mit sich nehmen."
Mehr zu lesen:
http://www.spiegel.de/panorama/libuse-s ... 27301.html
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Re: Diverses Material zum Film

Beitragvon Christian » Montag, 02. Januar 2017, 19:59:43

Pavel Trávníček wird mal wieder Vater
Wegen Problemen mit YT musste ich das Video entfernen
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Re: Diverses Material zum Film

Beitragvon Christian » Samstag, 04. Februar 2017, 19:51:12

Ich habe nochmal die MDR Doku hochgeladen.
Diesmal ist sie in HD.
Wegen Problemen mit YT musste ich das Video entfernen

die finde ich sehr sehenswert, weil umfangreich
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Re: Diverses Material zum Film

Beitragvon Christian » Mittwoch, 12. April 2017, 11:10:11

Der Regisseur des Films gab mal wieder ein Interview.

http://www.lidovky.cz/dockaji-se-tri-or ... ultura_hep
hier ist die Übersetzung:

Wird es eine norwegische Neuverfilmung der „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ geben? Warum nicht, sagt der Regisseur Vorlíček
Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, Das Mädchen auf dem Besenstiel, Arabela, Der fliegende Čestmír, Der Prinz und der Abendstern ….
Der ungekrönte König der tschechischen Märchen, Václav Vorlíček, kann sich Filme zuschreiben, ohne die sich schon seit Jahrzehnten Zuschauer
in Tschechien und auch weiteren Ländern Europas Weihnachten nicht mehr vorstellen können. Sein legendäres Aschenbrödel hatte schon vor mehr als vierzig Jahren Premiere, jetzt erlebte es seine digitale Version, und es erwartet auch eine norwegische Neuverfilmung. Seinem Autor geht es zwar schon ein wenig auf die Nerven, trotzdem stellt sich Václav Vorlíček darauf ein, dass sich zu den acht Märchen, die er gedreht hat, vielleicht bald ein neuntes gesellen wird. Eine Goldhaarige nach seinen Vorstellungen hat er aber bislang noch nicht gefunden.

Geht Ihnen denn Aschenbrödel nicht schon ein wenig auf die Nerven, nach diesen vielen Jahren, wenn Sie jetzt alle ständig noch danach fragen?
Klar, das können Sie sich doch vorstellen! Nach der Erfahrung mit der wir vor ein paar Jahren das vierzigjährige Jubiläum der Premiere gefeiert haben, habe ich mir gesagt, dass es nun wirklich reicht. Aber ich bin froh, dass es diesen Film gibt und dass er immer noch lebt.

Auf alle Fälle ist das ein unglaublicher Erfolg, dass Ihr Aschenbrödel noch nach über vierzig Jahren nach der Premiere weiterhin seine Zuschauer hat, und das nicht nur bei uns, sondern auch anderswo in Europa. In Norwegen haben doch Zuschauer vor dem Gebäude des Fernsehens demonstriert, als die Führung beschlossen hatte, es aus dem Programm zu nehmen …
Ja, das ist passiert. Die Norweger würden auch gerne von uns die Rechte für eine Wiederverfilmung von Aschenbrödel bekommen, und zwar dass sie den Film selbst mit norwegischen Schauspielern drehten. Ursprünglich wollten sie, dass ich mich dem selbst annehme, aber ich hatte mir fest vorgenommen, dass ich nie mehr einen Winterfilm drehen werde, so dass ich mich irgendwie herausreden musste. Aber sie sagten, dass ich dann wenigstens eine Art Aufsicht übernehmen sollte. Ich fragte, was das denn bedeuten würde. Ich sollte dort gewissermaßen nur anwesend sein und beim Drehen zusehen. Aber da wäre ich mir wie ein Kontrolleur vorgekommen, nach dem ein norwegischer Kollege ständig schielt, um zu sehen, ob er das gut oder schlecht macht. Ich wäre mir blöde vorgekommen und hätte mich auch gelangweilt. Aber das wäre doch töricht einen Film zu drehen, den ich schon einmal gemacht habe. Ich habe ihn so gedreht, wie ich ihn damals gesehen habe. In dieser Gestalt ist er bis heute und wird bestimmt auch die norwegische Version überleben. Ich habe ihnen auch gesagt, dass sie so ein Aschenbrödel schwer auftreiben werden.

Aber Ihre Zustimmung haben Sie ihnen gegeben?
Sicher, sollen sie es ruhig auf ihre Art machen. Ich habe meine Arbeit gemacht und wasche meine Hände in Unschuld.

Wie hat Ihnen die digitalisierte Fassung gefallen, die die NFA (Nationales Film-Archiv) hergestellt hat?
Bis auf einige Kleinigkeiten bin ich damit zufrieden. Die Körperfarben verlieren sich da ein wenig – es gibt da eine Aufnahme des Königs und der Königin, in der der König die normale Farbe hat, und neben ihm sieht die Königin aus, als sei sie schon vier Tage lang tot. Ein Graugrün, eine derart auffällig unterschiedliche Farbe. Aber sonst habe ich nichts zu beanstanden.
Haben Sie sich an dieser Digitalisation irgendwie beteiligt?
Überhaupt nicht. Sie haben mir nur angekündigt, dass das durchgeführt wird, und dann wurde ich zur Vorführung eingeladen.

Hätten Sie denn Interesse, sich an einer Restaurierung zu beteiligen?
Das ist nicht meine Arbeit. Das wäre eher eine Aufgabe für einen Kameramann. Aber in eine nachträgliche Bearbeitung werde ich nicht hineinreden; davon verstehe ich nichts. Ich weiß, was man erreichen will, nämlich dass der Film so weit wie möglich der ursprünglichen Fassung entspricht, damit er für die Zukunft erhalten bleibt. Auf diese Weise wird der Film ewig, denn Celluloid altert und kann sogar zerfallen. Aber durch die Digitalisierung entsteht eine bleibende Gestalt, die unveränderlich ist, also sofern nicht jemand an der Kassette mit irgendeinem starken Magneten vorbeigeht.

Haben Sie das Gefühl, dass es gelungen ist, den Film in die naturgetreueste Form der Premiere zu bringen?
Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie vor vierzig Jahren die Premieren-Aufführung im Kino aussah. Das könnte eher der Kameramann, aber der ist schon seit einigen Jahren tot. Die Digitalisation ist dadurch verdienstvoll, dass der Film jetzt seine endgültige Gestalt bekommen hat. Er wird sich nicht mehr ändern, während das Original mit der Zeit mürbe wird und zerfällt … So etwas ist mir einmal passiert, als ich gerade mal sechzig Jahre alt war und man mir im Kino Pyramida eine Vorführung widmete. Ich sollte mir einen Film aussuchen, den ich dort gerne hätte sehen wollen. Da habe ich mir „Wie soll man Dr. Mráček ertränken?“ ausgesucht, und dazu noch meinen Absolventen-Film „Direktiva“. Als der Projektor anlief, liefen die Bilder durch, und plötzlich ein Riss! Auf der Leinwand war zu sehen, dass der Film gerissen war. Der Vorführer setzte den Streifen neu ein – und er riss wieder! Das wiederholte sich insgesamt dreimal, so dass ich den Film nicht gesehen habe. Erst nach vielen Jahren, als mein Enkel an der FAMU studierte, fand er dort im Archiv diesen Absolventenfilm des Opas Vorlíček. Und das war eine tadellose, gerichtete Kopie. Sie hatten den Filmstreifen zusammengeklebt und damit die perfekte Kopie ermöglicht.

Was hat denn Ihr Enkel zu diesem Film gesagt?
Dass er für die damalige Zeit gewagt war. Und das stimmt; hätte ich doch deswegen beinahe die Staatsprüfung nicht bestanden. In diesen Tagen war nämlich die Prüfungskommission total verängstigt. Es waren nämlich alle Parteigenossen, und in Ungarn hatten sie angefangen Kommunisten aufzuhängen. Es sind dort die Russen eingefallen, haben alles zerschossen und den Aufstand niedergeschlagen, der da entstanden war. Unsere Kommission hatte Angst bekommen, dass mein Film provokativ wäre, so dass ich gerade noch durchgerutscht bin, indem sie mir die Drei gaben. Dabei war ich während des ganzen Studiums der Jahrgangsbeste gewesen. Ich hatte nämlich schon Berufserfahrungen, nicht als Regisseur, aber als Assistent in Barrandov. So habe ich mich also gefreut, dass dieser Film erhalten geblieben war.

Um was ging es in diesem Film „Direktiva“?
Dieser Film war damals absolut politisch. Er illustrierte unser chaotisches sozialistisches Leben. Es war eine Komödie darüber, dass ein Mensch ins Ausland fahren sollte, aber jemand hatte irgendwo irgendetwas über ihn gesagt, und der hatte sich so und so ausgedrückt, und die Funktionäre hatten sich entschieden, dass sie ihn besser nirgendwo hinschicken … Es war eine Reflexion darüber, dass wir nicht reisen durften. Dieser Mensch, die Hauptfigur, sollte schon vom Bahnhof abreisen, aber sie zogen ihn aus dem Waggon und sagten: „Nein, nirgendwohin wirst du fahren …“ Und dabei sollte es nur eine Reise nach Warschau sein, aber auch dorthin zu kommen war damals schon ein Problem. Es war einfach ein Klamauk. Aber es gelang mir dafür gute Schauspieler zu bekommen. Es spielten mit
Vlastimil Brodský, Miloš Kopecký, Zdeněk Dítě. Obwohl das ein Studentenfilm war, für den man sonst nur schwerlich Schauspieler auftreiben konnte, weil die Schule sie normalerweise nicht bezahlen konnte. Aber weil das alles durchwegs Freunde waren, so sagten sie zu und spielten für mich ohne Bezahlung.

Und später, als Sie Aschenbrödel drehten, hatten Sie doch diese Probleme nicht mehr, oder?
Vor Aschenbrödel hatte ich schon zwei Komödien gedreht, „Wer will Jessie töten?“ und „Das Ende von AgentW4C“, für die lange Schlangen anstanden und die in alle möglichen Länder Europas und der ganzen Welt verkauft wurden. So spielten die Schauspieler meine Rollen gerne, weil sie wussten, dass ich Humor gestalten konnte.

Wie geht das, dass ein Schöpfer erfolgreicher Komödien ein Märchen über Aschenbrödel dreht?
Nach dem Film „Mein Herr, Sie sind eine Witwe“ habe ich „Das Mädchen auf dem Besenstiel“ gedreht, ein modernes Märchen, das in die Sommersaison traf und in Sommerkinos gespielt wurde, wo es manchmal 1500 Menschen auf einmal sahen … Der Film hatte eine prächtige Resonanz, Menschen aus Prag fuhren hinaus nach Kladno ins Sommerkino, um ihn zu sehen. So zeigte es sich, dass ich wohl auch Märchen kann und dank des Erfolges dieses Films sprachen sie mich von Barrandov aus an, dass sie eine Bearbeitung des Märchens der Němcová über Aschenbrödel hätten und dabei nicht wissen, wem sie diese übergeben sollten. Konkret waren es Marcela Pittermanová und Ota Hoffman, die eine Schöpfer-Gruppe hatten. Sie gaben es mir zum Lesen und ich spionierte, ob sie es vielleicht schon jemandem angeboten hatten. Ich erfuhr, dass sie das Drehbuch dem Menzel angeboten hatten, nicht dass der es absolut nicht gewollt hätte, aber er war von dem neuen Dramaturgen Toman etwas zur Seite geschoben worden. Ich wollte es nicht einfach so an mich reißen, und so habe ich Jirka angerufen und gefragt, ob er es wirklich nicht machen will. Und er hat gesagt: „Ich weiß nicht, wie das wäre, dreh‘ das lieber du.“ Ich denke, wenn Menzel es gedreht hätte, wäre das ein ganz anderer Film geworden.

Und vielleicht wäre er auch nicht im Winter gedreht worden, oder?
Das wohl nicht, weil ich diese Idee, die Handlung in den Winter zu verlegen, aus wirtschaftlichen Gründen von deutscher Seite bekam. Ursprünglich hatte ich nämlich für den Film elend wenig Geld bekommen, und Ota Hoffmann hatte sich entschieden, das Drehbuch übersetzen zu lassen und in Deutschland anzubieten, um damit irgendwelche Co-Produzenten aufzutreiben. Das gelang; aus Deutschland meldeten sich bald welche, die großes Interesse hatten, und die dafür eine Million deutsche Ostmark hatten, was für uns drei Millionen Kronen waren. Ich war zufrieden, weil ich schon eine angelaufene Zusammenarbeit mit Teodor Pištěk hatte, mit dem ich es in eine stilisierte Renaissance-Form bringen wollte, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich wollte auch, dass die Musik dazu Karel Svoboda machte, mit dem ich schon gute Erfahrungen gemacht hatte. Der hatte erklärt, dass er annimmt aber gleich geäußert, dass es gut wäre, wenn den Haupt-Song Karel Gott sänge, der ein Liebling des deutschen Publikums war. Ich stimmte zu, aber unter der Bedingung, dass es eine Melodie sein muss, die dann auch die Zuschauer singen können, wenn sie ins Kino gehen … So hatten wir also Geld und ein ordentliches Budget, aber die Sache hatte noch einen Haken. Die Deutschen wollten im Winter in ihren Ateliers drehen, um sie auszunutzen, und dann das Drehen für vier Monate unterbrechen und warten bis die Natur erblüht. In diesem Augenblick war ich aber etwas aufgebracht, weil ich mit erhobener Stimme erklärte, dass der Herr Direktor wohl nicht mehr ganz dicht sei. Nach meinen bisherigen Erfahrungen wäre das nämlich Selbstmord gewesen, viel Geld zu investieren, wenn dann eventuell etwas passiert wäre. In vier Monaten hätte eine Menge Sachen passieren können, jemand hätte sich ein Bein brechen könne, und das schon fertige Material hätte noch einmal mit anderen Schauspielern gedreht werden müssen. Das konnte ich nicht riskieren, so dass wir uns dann entschlossen haben, das Ganze im Winter zu drehen.

War es schwierig in der Kälte zu drehen?
So schlimm war es auch wieder nicht. Es wurde ja nur ein paar Stunden lang gedreht, solange es hell war, d.h. zwischen zehn Uhr und drei Uhr oder halb vier, wegen des späteren Aufgangs und früheren Untergangs der Sonne. Wir erlebten auch Arbeit bei Frost und bis zum Gürtel im Schnee, so dass ich gleich im Anschluss an den Film zu einer Gallenblasen-Operation ging.

Wie das denn?
Es gabe damals kein Catering oder so etwas Ähnliches. Wer es nicht schaffte, sich zwei Brötchen und ein Stück Wurst für die Tasche zu kaufen, der hatte einfach nichts zu essen. Die Deutschen achteten zwar auf die Einhaltung der Pause für das Mittagessen, aber das galt hauptsächlich für die Zeit der Arbeiten im Atelier, wo man sich in Ruhe Zeit lassen konnte, um tatsächlich acht Stunden zu drehen. Das aber ging in der Natur nicht. Und ich habe mir dabei die Innereien so durcheinander gebracht, dass sich ein Stein gebildet hatte und die Gallenblase raus musste. So war das Jahr 1973 für mich das Jahr, in dem die Premiere von Aschenbrödel stattfand, und der zweite schwerwiegende Moment war die Gallenblasen-Operation, genauer gesagt deren Entfernung, denn sie behielten sie. So dass ich mich dann entschloss, dass ich nie mehr einen Winterfilm drehen werde. Aber ich hatte mir das selbst zuzuschreiben.

Sie haben darüber gesprochen, dass die Norweger eine Neuverfilmung von Aschenbrödel wollen, das wäre aber nicht Ihr erstes Remake. Es sollte doch auch von „Wer will Jessie töten?“ gemacht werden. Wie war das damals?
Ich hatte das Glück, dass ich Filme so zu drehen verstand, dass sie auch international zu verstehen waren. Für zwei Komödien erhielt ich zwei große Preise auf internationalen Festivals, die Filme wurden ins Ausland verkauft, und der Erfolg war riesig. Aus New York kam der amerikanische Produzent William Snyder und verkündete, dass er ein Interesse daran hätte ein Remake von „Jessie“ zu machen. Er begriff nur nicht, warum wir das schwarz-weiß gedreht hatten, weil doch in Amerika kein Mensch mehr Schwarzweißfilme sehen will.
Das Remake sollte also in Farbe sein, und er lud mich und Macourek für zweieinhalb Monate nach Amerika ein, um dort am Drehbuch zu arbeiten. Er stellte für uns auch noch seinen Freund und Drehbuchschreiber an, der uns mit den amerikanischen Gegebenheiten vertraut machen sollte. Er hieß Stuart Hample, war auch Maler und Illustrator. Seinen Namen haben wir später im Film „Mein Herr, Sie sind eine Witwe“ ausgeliehen, als wir nach ihm die Gestalt des Astrologen benannten, den Hrzán spielt. Und nebenbei habe ich letztes Jahr von einem Enkel ein großformatiges Buch mit Witzen von Woody Allen bekommen, das gerade dieser Stuart Hample illustriert hat. Ich schaute darauf und war überrascht, aber dann erinnerte ich mich, dass dieser Stuart sich damals über einen Freund geäußert hatte, dessen Name zu dieser Zeit uns allerdings nichts gesagt hatte. Dass dieser Freund immer einen Witz auf der Zunge hätte, dass er daraus einen gezeichneten Witz mache und ihn dann an Zeitungen und Zeitschriften verkaufe. Und dieser Freund, der diese Witze erzählt hatte, das war Woody Allen.

Wie verlief denn so Ihre Arbeit am Drehbuch damals in Amerika?
Wir hatten eine Menge Zeit. Hample sagte zu uns: „Aber, meine Herren, Wie werden doch nicht daran gewöhnt sein, täglich acht Stunden am Drehbuch zu arbeiten?! Das geht doch nicht, eine solche
Arbeit macht man höchstens drei Stunden am Tag!“ Das hielt er auch ein, er kam zu uns für drei Stunden, dann lud er uns auf Long Island zum Ausprobieren ein, denn er musste dringend seine neue Jacht testen, die er noch auf Garantie hatte. Dazu besuchte uns jeden Tag zur Mittagszeit in unserem Appartment am Park der Produzent Snyder selbst, der in der Nähe ein Büro hatte und lud uns zum Mittagessen ein, wobei wir uns das Restaurant aussuchen konnten, das wir schon aus der Literatur kannten. Und als wir dann nach Prag zurückkamen, erledigte uns Snyder die Reiseformalitäten für die Reise über Montreal, wo gerade die Weltausstellung stattfand. Dazu kam noch ein Zwischenaufenthalt in London, weil wir erklärt hatten, dass wir durch den Flug über den Ozean ermüdet seien und etwas Erholung bräuchten. Dort besuchten wir Olga Schoberová, die gerade einen englischen Film drehte. Der fiel zwar schrecklich aus, hatte auch fürchterliche Kritiken, aber ihr war das egal. Sie spielte ihre Rolle zu Ende, nahm das Geld mit und fuhr heim.

So war also die Arbeit am Drehbuch in New York eine absolute Traumarbeit, oder? Reizte es Sie nicht in Amerika zu bleiben?
Überhaupt nicht, das ist keine Heimat für einen tschechischen Patrioten. Also eigentlich schon, weil da schon eine Menge von uns leben, aber wir sagten uns „nein“. Ich hatte dann noch einmal die Möglichkeit, das war 1969, als ich mit meiner Frau und den beiden Töchtern nach München fuhr. Wir wohnten bei dem Freund und Fotografen Honza Pařík, der uns dorthin eingeladen hatte. Abends ging ich mit Honza ins Wirtshaus, wo sich die Filmleute trafen. Dort traf ich Leute, die ich schon kannte, die immer wieder zu uns auf’s Festival nach Karlsbad gekommen waren, und dabei sagte ich dann zu ihnen: „Jungs, ich habe ein hergerichtetes Drehbuch für eine prima Komödie! Das war „Mein Herr, Sie sind eine Witwe.“ Aber selbstverständlich habe ich ihnen nicht genau gesagt, worum es dabei geht. Und sie darauf: “Weißt du was, dreh‘ das doch zu Hause, wir schlagen uns hier um Arbeit.“ Und das war es dann. Dann ging ich heim und sagte zu meiner Frau: „Hier ist alles zugemauert, fahren wir heim…

Wie ist das schließlich ausgegangen mit diesem amerikanischen Remake?
Es kam nicht zustande. Aber noch eine Sache muss ich Ihnen erzählen. Als das Drehbuch schon fast fertig war, kam plötzlich William Snyder zu uns ins Hotel und sagte: „Jungs, ich habe für euch eine sensationelle Nachricht!“ Und er erzählte uns, dass es in Hamburg eine Firma gibt, die mit eigenartigen Tieren handelt, die sie für Zirkusse vorbereitet. Sie haben Löwen, Giraffen, Tiger … und gerade dort ist eine totale Neuigkeit ans Licht gekommen – ein trainiertes Flusspferd, das angeblich sensationelle Sachen kann. „ Ich hätte es gerne auf der Karlsbrücke“, sagte Snyder, „und zwar so, dass im Hintergrund der Hradschin zu sehen ist, und dahin geht dieses
Flusspferd und trifft sich mit Jessie …“. So haben wir ihm halt den Wunsch erfüllt und das Flusspferd ins Drehbuch reingeschrieben.
Aber der Film entstand sowieso nicht, denn als Snyder am 21. August
1968 nach Prag kam, um für den Film verschiedene Sachen zu erledigen, da schaute er am Morgen aus dem Fenster des Alcron, und da stand nun eine Kolonne von Panzern … Als er sich wieder gefangen hatte, rief er die Botschaft an, damit sie ihm einen Wagen mit Diplomaten-Kennzeichen schickten und fuhr damit zum Flughafen. Dort filzten sie ihn, die Limousine fuhr weg, und er blieb dort mit seinem Koffer drei Tage, weil die Russen alle Flüge gestoppt hatten. Drei Tage lang schlief er auf dem Fußboden, bis schließlich ein Steward zu ihm kam und sagte: „Ich habe herausgefunden, dass ein erstes Flugzeug startet, das die Russen zulassen, aber es fliegt nach Kopenhagen.“ Und Snyder darauf: „Das ist egal, Hauptsache ich verschwinde hier.“ Ab dann haben wir nur mehr miteinander telefoniert und uns geschrieben, getroffen haben wir uns nicht mehr.

Sie haben jetzt ein neues, bereits begonnenes Projekt – die Goldhaarige. Wie sieht es damit aus?
Das Drehbuch hat Lucie Konášová nach der Vorlage von Erbens
Goldhaariger geschrieben. Als sie es mir zum Lesen gegeben hatte, sagte ich mir: Jetzt habe ich schon acht Märchen gedreht, warum sollte ich also nicht noch ein neuntes machen? Keineswegs jedoch habe ich mich geradezu danach gedrängt, aber ich sagte mir, wenn dahinter eine ordentliche Produktion steht, dann wird es gehen. Lucie hat nämlich für den Film schon Produzenten aufgetrieben. Sie nennen sich Three brothers, und im Grunde ist es eine Clique von Requisiteuren, die historische Waffen für Dreharbeiten hergestellt haben. Und die trauen es sich zu, dass sie das realisieren. So habe ich mir also gesagt, ja, das Ding kann man drehen…So habe ich das mit Miloš Kopecký immer formuliert – Ich habe ihm das Drehbuch geschickt, damit er es sich durchliest, und dann hat er mich drei Tage später angerufen und gesagt: „Herr Regisseur, da kann man einen Film danach drehen.“ Das bedeutete, dass er die Rolle annimmt.

Die Goldhaarige wird also gedreht werden?
Ich habe gesagt, dass ich das erst in dem Augenblick annehme, wenn sie mir beweisen, dass sie das Geld dafür haben. Und dieses Märchen schätze ich so auf 50 Millionen (Kronen). Sobald sie also diesen Betrag beisammen haben, sollen sie sich melden. Und nun haben sie mich gerade vor ein paar Tagen angerufen, dass sie sich langsam dieser Zahl nähern, also dass sich etwas bewegt.

Haben Sie denn schon über die Besetzung nachgedacht?
Wir haben sogar schon vorläufige Wettbewerbe veranstaltet und uns Mädchen und Jungen angesehen, die auf ein Casting-Angebot reagiert hatten. Ich habe gleich mit ihnen kleinere Szenen auf Video gedreht und denke, dass ich daraus gut auswählen kann. Aber dass ich ausdrücklich über eine von ihnen sprechen könnte, die als Goldhaarige in Frage käme, das vorerst noch nicht. Wir werden sehen.
HEDVIKA PETRŽELKOVÁ
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Re: Diverses Material zum Film

Beitragvon Erlenkoenig » Mittwoch, 12. April 2017, 19:37:12

Das Interview ist toll! Immer wieder hat Herr Vorlicek ertwas neues zu erzählen. :)
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Re: Diverses Material zum Film

Beitragvon Christian » Freitag, 04. August 2017, 17:17:47

Vorlicek hat mal wieder ein Radiointerview gegeben.

http://www.rozhlas.cz/radiowave/rozhovo ... m--1728023
und hier ist die Übersetzung

Regisseur Václav Vorlíček:
Aus Aschenputtel wurde schon zuviel gemacht, in Deutschland haben sie Fanclubs und ein Museum.
Der Regisseur von Arabella, Mädchen auf dem Besenstiel, oder des Films Wie wäre es mit Spinat und der geborene Erzähler kam das erste Mal noch als Kind in einem Pfadfinderlager zum Drehen. Auf Radio Wave erinnerte er sich an amerikanische Comics, an die er nach dem Krieg herankam, und auch daran, wie sich Jaroslav Marvan aus ihm auch noch als Regieassistenten einen Spaß machte. Im Juli wird Václav Vorlíček auf dem Filmfestival in Karlsbad den Preis des Festivalpräsidenten für seinen Beitrag zur tschechischen Kinematografie erhalten.

Nirgends habe ich herausgefunden, wie aus Ihnen ein Regisseur wurde.
Wie sind Sie zum Film gekommen?


Über eine Pfadfindergruppe, die fünfte Prager Abteilung der Wasserpfadfinder. Im Lager wurde bei uns gefilmt, und ich habe mich immer bei den Dreharbeiten herumgetrieben. Sie haben uns als Komparsen eingesetzt; unsere ganze Abteilung spielte im Film mit. Einige Male haben sie auch mich genommen. Es war ein schrecklicher Film, und kaum war er fertig, da fegte die neue kommunistische Regierung die Pfadfinder hinweg. Er kam auch nie in die Kinos.

Was war das denn für ein Film?
Er hatte den Titel „Auf guter Spur“, und wir haben ihn auch erst nach dem Krieg gesehen. Wir haben uns eine Kopie ausgeliehen und dann abgespielt. Wir wollten sehen, woran wir da eigentlich mitge-wirkt hatten. Ich war sehr redefreudig, und an den Lagerfeuern hatte ich verschiedene Auftritte.
Deswegen hatten sie mich wohl auch genommen. Dann kam mir in den Sinn, dass ich auch mittels der Filme erzählen konnte. In den freien Zeiten befragte ich den Regisseur Mach, den Kameramann Holpuch und andere. Nach dem Abitur habe ich die Aufnahmepprüfung an der FAMA doch nicht gemacht. Ich sagte mir: Mein Gott, ich habe doch auch in Barrandov Bekannte! Ich habe noch ein Jahr bis zur Wehrpflicht, das nütze ich aus und lasse mich dort anstellen.
Ich nahm die Straßenbahn Nr. 5 bis zur Endstation. Dort fuhren Autos nach Barrandov hinauf.
Ich winkte einem, und gleich fragten sie mich, wohin ich wolle. Ich erzählte, dass ich mich um eine Anstellung bewerbe. Der Fahrer duzte mich gleich und sagte: „Ich weiß nicht, so wie du daher-kommst.“ Es ging aber gut aus. In der Personalabteilung begrüßte man mich mit den Worten:
„Also, was willst du denn?“ Ich sagte, dass ich da gerne angestellt sein wollte. Ich hatte Pech. Sie hatten Einstellungsstop und nahmen mich nicht. Dann klingelte das Telefon. Nach einer Weile
schaute mich der Mann dann an und sagte: “Ja, wart‘ mal, Gustav, ich habe da gerade jemanden hier .Ich schicke ihn mal zu dir.“ Er zeigte mir den Weg und verwies mich an den Produzenten Gustav Rohan.

Das ist Ihnen also gut gelungen…
Am folgenden Tag trat ich zur Aufnahme eines Filmes an. Ich bekam verschiedene Aufgaben gestellt, z.B. den Herrn Marvan zu holen. Ich ging durch einen langen Flur und suchte die Garderobe, wo „Marvan“ angeschrieben stand. Schüchtern klopfte ich an und sagte zu ihm:‘ „Meister, Sie sind bei den nächsten Szenen dabei, können wir gehen.“ Marvan schaute mich an, und er machte sich einen Spaß mit mir. Er ging wie ein Strafgefangener. Dabei schaute er auf den Boden und benahm sich, als ob er Kippen suchte. Im Großen und Ganzen sind wir gut miteinander ausgekommen. Einmal habe ich etwas in Brünn gedreht und habe Marvan dazu herangezogen.
Das hat gewaltig gut gepasst. Er hatte keine Schauspielschule durchlaufen, sondern er war ein Laienspieler, und die Brünner mochten ihn ungeheuer gern. Es passierte, dass wir auf dem Weg ins Studio waren und eine Straßenbahn vorbeifuhr. Sie hielt unterwegs an, und der Fahrer sprang mit einem Zettelblock heraus. Diesen Block hielt er Marvan hin und sagte: „Meister, ich möchte Sie um ein Autogramm bitten.“ Marvan schrieb seinen Namen hin. Der Fahrer sprang in die Straßenbahn zurück und fuhr schnell weiter, denn er war außerhalb einer Haltestelle stehen geblieben. Marvan war auf einmal einen halben Meter größer und sagte: „Da sehen Sie mal, Václav, wie sie mich hier in Brünn kennen. Brünn, das ist meine Stadt. Es war einmal meine Stadt, jetzt bin ich ein Prager.“

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel und weitere Ihrer Märchen hatten großen Erfolg im Ausland.
Ich hatte das mit absolut lockerer Hand gedreht als eine Unterhaltung für die Jugend, aber ich habe mich auch bemüht, dass auch etwas für Erwachsene dabei war. Man kann sagen, dass mir das ge-lungen ist. Die erste große Überraschung war, als in Brünn das sogenannte Filmforum stattfand, wo unsere Filme fremden Firmen angeboten wurden und umgekehrt. Und als sie Aschenbrödel einführten, da haben sie mich gerufen, um Kaufverträge mit über 50 Interessenten abzuschließen. Ich habe mir gesagt, verflixt, das ist aber ein Erfolg. Der Film fegte über ganz Europa und von da aus weiter in die Welt. 15 Jahre nach der Premiere bekam ich einen Preis aus Manila vom dortigen Filmfestival, wo sie im Leben noch keinen Schnee gesehen hatten. Aber er hat sie bezaubert.

Ursprünglich sollte sich das Märchen nicht im Winter abspielen.
Die Deutschen hatten ein freies Atelier, das sich als Tanzsaal geeignet hätte. Das war ausgezeich-net, weil nämlich auf der Moritzburg, wo ich zu drehen beschlossen hatte, zwar ein Saal war, aber ein finsterer. Er war ganz mit schwarzen Ledertapeten ausgestattet, die mit Gold geschmückt waren. Nur in der Decke war ein Fenster, aber viel Licht kam da nicht herein. Der deutsche Direktor kam mit dem verrückten Vorschlag, dass wir einen Teil im Herbst drehen, dann das Drehen unter-
brechen, und wenn die Natur wieder ausschlägt, weitermachen. Mir passte das nicht, und ich sagte ihm, dass er ein Narr ist. Ich erklärte ihm, dass bereits viel Geld investiert ist, wenn man angefangen hat einen Film zu drehen. Und dann kann so viel passieren. Einen der Schauspieler, möge es Gott verhindern, kann die Straßenbahn überfahren, oder er stirbt eines natürlichen Todes. Sollen wir dann mit weiterem Geld noch einmal drehen? Ich möchte lieber gleich weitermachen. Wir sind hier im Oktober fertig und gehen dann nach draußen, um die Exterieurs zu drehen. Wir legen ein Winterkostüm an, und es wird im Schnee ablaufen. Und da hatte ich mir auch schon ein Bild
von den Exterieurs gemacht, prächtig ineinander gefallene Fichten, mit Bergen von Schnee belastet. Das wird eine völlig andere Umgebung, eine andere Atmosphäre, und zu diesem Märchen wird es passen. Als dann jüngere Kollegen sich anschickten Märchen zu drehen, da haben sie sich wohl gedacht, dass dieser Schnee das Wunder vollbracht hat, diesen Erfolg. Und so haben sie auch angefangen im Winter zu drehen.

Geht Ihnen nach den vielen Jahren Aschenbrödel nicht auf die Nerven?
Nun, es war tatsächlich ein bisschen viel. Da hat sich z.B. die kultivierte Lehrerin Kathrin Miebach aus Deutschland bei mir gemeldet, die aus diesem Film eine Art Götzenbild gemacht hat. Sie verkündete, es sei der schönste Film auf der Welt, und begann Fanklubs zu gründen. Deutsche fuhren nach Barrandov und veranstalteten Maskenbälle. Zwei dickliche Deutsche kamen in die Kostümwerkstatt und erbaten sich für Fotoaufnahmen Kostüme aus Aschenbrödel. Sie sind wieder heimgefahren und dort haben sie sich genau diese selbst nähen lassen. So haben also zwei Schweinchen, die körperlich gut gebaut waren, auf einem Maskenball getanzt. Ich habe Kathrin
gefragt, welche Maske sie denn gewählt hat. Sie hat sich einen Pferdekopf machen lassen und war das Pferd Jurášek. Und sie gewann.

Wie glauben Sie, wären Ihre Filme ausgefallen, wenn Sie dem Drehbuchautor Miloš Macourek nicht begegnet wären?
Das war wirklich eine schicksalhafte Begegnung. Ich wusste, dass Miloš sich mit einer unglaublichen Fantasie ausgestattet war. Wir hatten uns gekannt, aber nur ganz wenig. Ich bekam die Idee, Comic-Figuren zu animieren. Wie ich zu diesen Comics kam, ist wieder eine andere Geschichte. Die ist mit dem Jahr 1945 verbunden. Aus Blatná, wo ich eine ausgedehnte Verwandtschaft habe, hat mir ein Vetter ein Foto geschickt, auf dem er vor der Turnhalle auf einem Sherman-Panzer sitzt. Blatná war von den Amerikanern besetzt worden. Wir selbst waren in der russischen Zone. Ich konnte es kaum erwarten, dass das Pfadfinderlager zu Ende ging und ich lebendige amerikanische Soldaten zu sehen bekam. Sie hatten ausgekämpft und wohnten in der örtlichen Brennerei. Weil der Krieg vorüber war und sie keinen Ärger machen und weder hinter jungen Frauen noch Alkohol her sein sollten, so versorgte man sie mit Lesestoff. Stewardessen in Uniform brachten ihnen Zeitschriften und Kaffee. Aber die Soldaten interessierten sich natürlich trotzdem mehr dafür, an Mädchen und Alkohol zu kommen. Die Zeitschriften blätterten sie durch und warfen sie dann weg. Wir kramten dann als Jungen darin herum; es waren glänzende Zeitschriften mit Reklamen. Und darunter waren auch Comics. Schnell gingen wir auf die Suche nach englischen Wörterbüchern, um die Buchstaben in den Sprechblasen übersetzen zu können. Und diese waren meist in einem Slang verfasst. Zum Beispiel war da auch ein Comic über den Krieg im Pazifik dabei. Der Krieg war vorüber, aber in Japan wurde noch gekämpft. Wenn sie über die Japaner sprachen, dann war da kein Japaner, sondern „dieser kleine, gelbe Bastard“. Und so war das dauernd. Wir mussten uns das erklären lassen, im Wörterbuch war darüber nichts zu finden. Also „kleiner, gelber“ schon, aber „Bastard“ nicht.

Und das hat Sie also mit Miloš Macourek verbunden?
Ich hatte die Idee, diese Comic-Figuren zu beleben. Ich ging zu ihm, und er sagte: „Václav, das ist eine Bomben-Idee, das greife ich auf.“ Und dann haben wir das Drehbuch zu „Wer will Jessie töten?“ geschrieben

Verfolgen Sie die aktuellen tschechischen Komödien? Was sagen Sie darüber?
Im Allgemeinen nicht. Es kommt vor, dass ich gelegentlich die Premiere eines tschechischen Films verpasse, dann schaue ich ihn mir im Fernsehen an. Manchmal wird dem Filmtitel auch das Wort „Komödie“ angehängt. Dann schaue ich mir das an und frage mich, warum dieses Wort eigentlich dabeisteht. Komödien werden ein wenig anders gemacht. Pauschal möchte ich das nicht sagen, es gibt auch gute Komödien. Aber man muss das schon gut durchdenken.
Bei Martin Frič hatte ich etwas über die „Lachpause“ gelernt. Er sagte mir: „Wenn du einen Witz drehst, darfst du ein paar Sekunden lang niemand etwas Wichtiges sagen lassen. Das würde nämlich im Lachen untergehen. Wenn du sicher weißt, dass du einen Witz gedreht hast, dann musst du zehn, fünfzehn Sekunden lang eine Pause lassen, damit das Lachen zu einem Ende kommen kann.“

Hat man im Ausland auch an den Stellen gelacht, wo Sie es erwartet hatten? An denselben wie bei heimischem Publikum?
Als Beispiel führe ich den Film „Das Ende von Agent W4C“ an, mit dem ich in Indien war. Ich kam in ein Kino, dort haben sie riesige Kinos. Die Kinematografie befand sich dort im Aufschwung. Damals drehten sie dort jährlich etwa 600 Filme, mehr als ganz Hollywood. Ich sah ein Kino voller Leute, die in weiße Tücher gehüllt waren. An der Decke drehte sich ein riesiger Ventilator, der die Luft durchwirbelte. Ich fragte mich, ob die Leute wohl lachen werden oder nicht? Und es kam heraus, dass die Menschen genauso reagierten wie in Prag Kořiče oder im Kino Alfa auf dem Wenzelsplatz.

Wer hat denn eigentlich die Filmtitel „Wie wäre es denn mit Spinat?“ oder „Mein Herr, Sie sind eine Witwe“ ausgedacht?
Ursprünglich sollte der Titel ähnlich lauten wie „Wer will Jessie töten?“. Es sollte lauten: „Wer will den König töten?“ Wir suchten ein Motiv, weshalb es nötig wäre ihn umzubringen. Wir dachten uns aus, dass er die Armee abschaffen wollte.Das hat mich begeistert, denn es war im Jahre 1968 gleich nach der Besetzung durch die russische Armee. Prag und andere Städte waren voller Soldaten, so dass wir uns entschlossen, dass wir im Film die Armee abschaffen.
Die Zuschauer verstanden das und lachten ordentlich über den Gedanken der Abschaffung einer Armee, und die Zensur kam nicht auf diese versteckte Bedeutung. Ihre Sorge bestand darin, wie die Generalität gekleidet war. Sie waren in Sorge darüber, dass ich von Pištěk die Uniformen nicht entsprechend den sowjetischen anfertigen ließ, riesige Offiziersmützen, usw. Schließlich wurde der Film dann doch anders genannt. In der Handlung wechselten wir die Gehirne aus, und es kam dazu, dass in einen Männerkörper das Gehirn einer Frau kam, die Witwe war. Und der Titel „Wie wäre es denn mit Spinat?“. Da war ich mit Macourek in Amerika. Es sollte ein Remake des Films „Wer will Jessie töten?“ gedreht werden. Wir saßen beim Mittagessen und hatten lange in der Speisekarte herumgelesen und ausgewählt. Der Kellner war dort ein riesiger Schwarzer.
Wir hatten lange überlegt, was wir nehmen. Er unterbrach uns schneidig und sagte auf Englisch: „Meine Herren, dann nehmen Sie doch Spinat, den machen wir ausgezeichnet.“ Das war in uns hängengeblieben, und so entstand der Titel.

Im Juli werden Sie in Karlsbad mit dem Preis des Festivalpräsidenten für Ihren Beitrag zum tschechischen Filmschaffen ausgezeichnet. Was bedeutet das für Sie?
Das bedeutet mir sehr viel. Damit hat mir der Herr Präsident Jiří Bartoška eine große Freude bereitet. Denn Preise aus den verschiedensten Ländern habe ich schon viele, aber dieser ist wirklich ein tschechischer.
Weil Youtube die Kostproben sperrt, gibt's die Clips zu den Filmen direkt bei mir. Einfach PN oder Mail an mich :)
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